Dritter Platz beim Massilia Offshore Cup: Meine erste Solo-Regatta

Janes Llull beim Massilia Offshore Cup 2026

Beim Mas­sil­ia Off­shore Cup ist mir ein guter Ein­stieg als Solo-Regat­tasegler gelun­gen: Platz 3 in der Gesamtwer­tung und der Klassen­sieg bei den Pro­to-Booten. An Bord meines Mini 650 Pro­to Nr. 419 “Mr. Bright­side” ging es am 21. Juni 2026 von Mar­seille aus auf die Strecke, die über einen Wen­depunkt im Golf du Lion nach Barcelona und über ein Gate bei Palamós zurückführte. 

Wegen zu schwach­er Wind­prog­nosen war der Kurs vor­ab von ursprünglich 500 auf 377 Seemeilen eingekürzt wor­den. 18 Min­is gin­gen an den Start, einge­bet­tet in ein großes Feld aus IRC- und ORC-Yacht­en sowie Class 40 und Class 30. Eine Beson­der­heit der Regat­ta: Nur wir Mini-650-Solosegler bewältigten die kom­plette Strecke ohne Unter­brechung, alle Dou­ble­hand­ed-Teams und übri­gen Klassen legten unter­wegs einen Stopp in Barcelona ein.

Janes Llull beim Massilia Offshore Cup 2026

Organ­isatorisch war ich gut vor­bere­it­et: Den Sicher­heitscheck hat­te ich schnell erledigt, die Ret­tungsin­sel, der einzige Knack­punkt, kon­nte ich dank Ver­mit­tlung durch den Lenz-Rega­port rechtzeit­ig bei Hero abholen. Auch strate­gisch stand ein starkes Team im Hin­ter­grund, Offwatch Labs über­nahm die gesamte Wet­ter- und Strate­gievor­bere­itung, was im Ren­nen einen echt­en Unter­schied machte.

Im Unter­schied zu früheren Etap­pen war das für mich die erste Regat­ta im echt­en Wet­tkampf­modus, volle Konzen­tra­tion auf Speed und Tak­tik, statt auf Sicher­heit zu gehen. Nun hat­te ich genug Erfahrung im Boot um mich auf das wesentliche zu konz­ern­tri­eren. Passend anspruchsvoll zeigte sich auch das Wet­ter: Bei durchge­hend leichtem, unbeständi­gem Wind zwis­chen drei und sechs Knoten musste ich per­ma­nent auf Dreher und einzelne Böen reagieren. Geschlafen habe ich nur noch in kurzen Blöck­en von 15 bis 20 Minuten.

Zu den ein­prägsam­sten Szenen zählte eine Pas­sage am zweit­en Tag vor der spanis­chen Küste: dichter Nebel, kaum 15 bis 20 Meter Sicht, dazu unter Spin­naker mit sechs bis sieben Knoten eines der weni­gen wind­stärk­eren Teil­stücke des Ren­nens. Aus dem Nichts tauchte nur etwa 20 Meter voraus ein Fis­cher­boot mit aus­ge­brachtem Netz auf, eine sofor­tige Halse hat Schlim­meres verhindert.

Nach ein­er nahezu wind­stillen drit­ten Nacht kon­nte ich sehen wie ich platziert war: Rang 4 gesamt, Rang 1 unter den Pro­to­typen. Auf dem Rück­weg gelang es mir, eine abendliche Brise bess­er zu nutzen als mehrere Konkur­renten und so auf Posi­tion 2 vorzurück­en. In der fol­gen­den Nacht entspann sich bei 12 bis 17 Knoten ein enges Kopf-an-Kopf-Ren­nen mit einem Serien­boot: Über mehr als 150 Seemeilen betrug der Abstand kon­stant nur zwei bis fünf Seemeilen, bei ständig wech­sel­n­dem Kurs zwis­chen Reach­ing und Downwind.

Janes Llull beim Massilia Offshore Cup 2026

Am fün­ften Tag, rund 20 Seemeilen vor der franzö­sis­chen Küste, riss der Wind abrupt ab. In der fol­gen­den Flaute zog der Konkur­rent dank größerem Gen­naker allmäh­lich an mir vor­bei. Der Zielein­lauf in Mar­seille wurde zur Zit­ter­par­tie: Bei kom­plett eingeschlafen­em Wind trieben wir auf gle­ich­er Höhe fast eine Stunde lang die let­zten 300 Meter voran, ehe er nur rund drei Minuten vor mir die Ziellinie erre­ichte und das nach 5 Tagen auf dem Wass­er. Um die Posi­tion zu hal­ten, habe ich in den let­zten 36 Stun­den kom­plett auf Schlaf verzichtet.

“Das Ergeb­nis hat meine Erwartun­gen übertrof­fen. Ich war während des gesamten Ren­nens sehr fokussiert, wirk­lich im Flow, und kon­nte mich gut behaupten, auch dank der Monate an Train­ing in ähn­lichen Bedin­gun­gen, die mich abge­härtet haben”, sage ich im Rück­blick. Auch mit meinem Boot bin ich zufrieden: Trotz seines Alters von 23 Jahren kon­nte “Mr. Bright­side” mit neuen Serien­booten mithal­ten, tech­nis­che Prob­leme gab es keine.

Neben dem sportlichen Ergeb­nis nehme ich vor allem die Kon­tak­te aus dem Racevil­lage und die gute Stim­mung an Land als Gewinn mit. Für mein Boot begin­nt nun ein neues Kapi­tel: Nach ein­er kurzen Pause geht es nach La Tur­balle, meinem neuen Train­ingsstützpunkt, wo Reparatur- und Opti­mierungsar­beit­en sowie weit­eres Train­ing anste­hen. Im Sep­tem­ber fol­gen dann die näch­sten Regat­ten, darunter das Duo Con­car­neau mit mein­er Co-Skip­perin Juliane Hausmann.

Bericht: Janes Llull

Fotos: MCO 2026 Yohan Brandt

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