Regattabericht — Roma per Due 2026

Einige von euch ken­nen mich noch aus meinen Jahren als Opti- und Laser-Segler beim WVS. Mit Heinz Meißn­er fing ich an, mich für die Jolle zu begeis­tern und entwick­elte durch viel Ver­trauen und Spaß auf dem Wass­er die Grund­lage für meine Regat­takar­riere. Danach ging es für mich in den Laser und ich fand Spaß am Wet­tkampf.
Nach 14 Jahren in der Jolle habe ich mich kurz vor dem Abi entsch­ieden, ins Off­shore-Segeln umzusteigen, mit dem Ziel, 2027 die Mini Transat zu segeln, ein Soloren­nen von Frankre­ich nach Brasilien, das zu den härtesten Ein­han­dren­nen der Welt zählt.

Jannes Lull bei der Präsen­ta­tion von Boot und Kam­pagne auf der Boot 2026 in Düs­sel­dorf
(Bildquelle: Ralf Hössel)

Seit anderthalb Jahren baue ich die Kam­pagne auf: Spon­soren suchen, die Kam­pagne finanzieren und langsam die Szene ken­nen­ler­nen. Vor einein­halb Monat­en habe ich meinen Mini 650 Pro­to­typen Nr. 419 gekauft, das Boot, mit dem ich jet­zt zwei Jahre lang die Qual­i­fika­tion für die Mini Transat angehe.

Qualifikation für die Mini Transat 2027

Die 1,5 Jahre Qual­i­fika­tion erfordern viel Erfahrung auf dem eige­nen Boot sowie starke men­tale Resilienz. Wir sind 4.500 sm alleine unter­wegs, haben kein Inter­net und kein Handy an Bord und müssen unsere 6,5 Meter lan­gen Boote auf langer Strecke bei max­i­maler Belas­tung und Geschwindigkeit fahren. Die Qual­i­fika­tion umfasst 1.500 sm in Mini-650-Regat­ten und 1.000 sm non-stop solo auf dem eige­nen Boot. Dazu kommt die Vor­bere­itung auf wenig Schlaf, luft­getrock­nete Nahrung, Ein­samkeit und mögliche Extrem­si­t­u­a­tio­nen.
Diese Qual­i­fika­tion­sphase startete für mich diese Sai­son mit der Roma per Due, einem 540-sm- Ren­nen dou­ble­hand­ed. Nach einem Monat Train­ing in Mar­seille habe ich mein Boot solo 380 sm nach Rom über­führt. Am 11. April bin ich dann gemein­sam mit mein­er Co-Skip­perin Juliane Haus­mann ges­tartet. Direkt vor dem Start gab es eine lange Diskus­sion über die Route, da die Wet­ter­mod­elle starken Wind von vorne vorher­sagten. Die Regat­taleitung änderte den Kurs und räumte uns noch eine halbe Stunde mit unseren Handys und Lap­tops für das Rout­ing ein. Unser Lap­top war leer, also haben wir das in zehn Minuten auf dem Handy erledigt, bis wir sie wieder abgeben mussten. Die Strate­gie war klar: weit nach West­en, auf der sich­er­sten Route, das Boot heil ans Ziel brin­gen und Qual­imeilen sam­meln. Statt von Riva di Tra­iano nach Lipari und zurück ging es nun nach Usti­ca im Nord­west­en von Sizilien und zurück. Schon an der Star­tlin­ie gaben auf­grund der Wet­ter­vorher­sage von bis zu 50 kn und 5 m max­i­maler Welle die Hälfte des Regattafeldes auf. Wir starteten trotz­dem und ver­sucht­en, den Sturm im West­en zu umfahren.
Der Start selb­st war wun­der­schön. Auf dem Weg zur ersten Tonne haben uns mehrere Delfin­schulen begleit­et. Nach eher leichtem Wind mit eini­gen Flaut­en, in denen wir uns schneller als erwartet nach West­en bewegten, wur­den wir in der zweit­en Nacht durch den Druck, der sich zwis­chen Sar­dinien und Sizilien durch­drück­te, über­rascht. Wellen bis viere­in­halb Meter, Wind­spitzen um 35 Knoten, nachts Gewit­ter.
Kein Wet­ter­mod­ell hat­te dies vorherge­sagt, und da in der Class­mi­ni jeglich­er Kon­takt ans Fes­t­land bis auf Funk unter­sagt ist, also kein Handy, kein Inter­net und kein Wet­ter­bericht unter­wegs, hat­ten wir keine Ahnung, dass sich der Wind nun nicht mehr nur zwis­chen Fes­t­land und Sizilien, son­dern auch zwis­chen Sar­dinien und Sizilien durch­drück­te.
Das Begleit­boot fiel früh aus, und damit auch jeglich­er Kon­takt mit der Rennleitung. Drei bis vier Tage lang haben wir keinen anderen Konkur­renten gese­hen.
Nach 35 Stun­den harten kreuzens bei 25–35 kn und Wellen von 2,5–4,5 Metern run­de­ten wir unseren Way­point, die Insel Ustica.

Zieleinlauf im Gewitter

Auf den let­zten 100 Kilo­me­tern geri­eten wir in ein sehr geladenes Wet­ter­sys­tem. Zweimal Wind auf null, zweimal im Herzen eines großen Mit­telmeerge­wit­ters. Die Gewit­ter jagten uns beson­ders Angst ein. Unser Mast­top summte vor Span­nung in der Luft, und die Blitze schlu­gen keine 50 Meter ent­fer­nt ein. Die Bor­delek­tron­ik musste kom­plett aus­geschal­tet wer­den und fing danach an, bis zum Zielein­lauf zu spin­nen. Inzwis­chen lauft wieder alles.
Wir sind als Erster in der Wer­tung ins Ziel gekom­men, im Mit­telfeld der Gesamtwer­tung. Das Boot ist heil, die Meilen für meine Qual­i­fika­tion sind gesam­melt. Für eine erste Off­shore-Regat­ta unter diesen Bedin­gun­gen bin ich mehr als zufrieden, die Lernkurve, vor allem was Wet­ter­rout­ing und Regat­ta­vor­bere­itung ange­ht, war sehr steil. Auch im Team mit Juliane hat es mehr als gut geklappt. Es war unsere erste Regat­ta zusam­men, und ohne gute Stim­mung an Bord wäre es bei diesen Bedin­gun­gen schnell zur Qual gewor­den.
Näch­ste Sta­tio­nen ste­hen bere­its fest. Es geht weit­er nach Gen­ua und dann mit kurz­er Pause um weit­ere Spon­soren für die Kam­pagne zu suchen zur ersten 540-sm-Solore­gat­ta. Der Weg zur Mini Transat 2027 geht weiter.

Jannes Llull und Juliane Haus­mann glück­lich im Ziel — Erster Platz in der Gruppe der Pro­to­typen bei der Roma per Due 2026


Jannes Llull
www.llullracing.com

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